Eine handelsübliche Smartwatch.

Smartwatches werden zum Sicherheitsproblem

| Keine Kommentare

Nicht nur für den Datenschutz stellen Smartwatches, Fitnesstracker und andere Wearables, also tragbare Kleincomputer eine Herausforderung dar. Unlängst warnten der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Deutschland und mehrere Landesddatenschutzbehörden vor dem Einsatz von Fitnessarmbändern und anderen Wearables. Doch auch für die allgemeine Sicherheit stellen diese Geräte ein Problem dar.

Aktueller Stand der Wearables in Deutschland

Der weltweite Absatz von Smartwatches wird vor allem durch Apples Apple Watch gestützt. Nach anfänglicher Euphorie und Gadget-Verliebtheit pendeln sich die Verkaufszahlen jedoch langsam auf einem realistischen Niveau ein:

Infografik: Smartwatches - viel Hype um nichts? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ordentlich angekurbelt durch die Apple Watch brach der Marktanteil jedoch schon 2016 wieder ein – und selbst wohlwollend betrachtet ist ein weltweiter Absatz von 8 Millionen nicht sehr groß. Berechnet man knapp 300,- € pro Watch (Stand 07/2017) so ergeben sich auch hier gerade mal knapp 2,4 Milliarden Euro – für den gesamten Markt und alle darin befindlichen Händler von Apple über Sony bis Samsung.

In Deutschland besetzen Smartwatches und ähnliche Geräte eine reine Nischenposition. Doch die anfängliche Skepsis hierzulande wandelt sich nun und macht fast im Gegentrend zur globalen Entwicklung wachsender Bereitschaft Platz, diese Geräte zu nutzen. Dennoch liegt die Bereitschaft zur Smartwatch bei lediglich 46 Prozent:

Interesse an einer Smartwatch in Deutschland 2016.

via Statista.de

Weniger als ein Drittel würde sich dabei überhaupt eine Smartwatch kaufen und mehr als jeder zweite wäre nicht einmal zur Nutzung bereits. Das sollte nicht überraschen, denn obwohl die dauerhafte Präsenz der Geräte für einen Gewöhnungseffekt sorgt, sind wir Deutschen bei neuer Technik traditionell eher skeptisch denn euphorisch.

Dabei interessieren sich die wenigsten nur für Navigationsfunktionen, was auch wiederum bedeutet, dass die Smartwatch jederzeit über den Standort des Benutzers Bescheid weiß. Nein, die meisten wollen nicht einmal die Korrespondenz prüfen, sondern vor allem Fitness- und Gesundheitsdaten checken.

Die interessantesten Funktionen einer Smartwatch, 2016.

via Statista.de

Bereits in der privaten bzw. individuellen Anwendung erscheinen Smartwatches gefährlich, da sie persönlichste Informationen über uns erhalten.

Datenschutz und Sicherheitsprobleme mit Smartwatches

Auch über eine eigene Nutzung hinausgehen sind Smartwatches selten eine gute Idee, besonders wenn man in sicherheitsrelevanten Objekten tätig ist.

Sicherheitsrelevante Gebäude

Nicht nur Geheimdienstzentralen, sondern Chemiefabriken, Raffinerien oder Atomkraftwerke könnten durch die Nutzung von Smartwatches ungeahnten Risiken ausgesetzt sein. Während ein Smartphone noch am Platz vergessen werden kann oder schlicht ausgeschaltet wird, ist das mit einer Smartwatch ungleich schwieriger. Sie werden am Handgelenk getragen und schnell mit einer normalen Uhr gleichgesetzt. Und selbst wenn Richtlinien sie verbieten ist es für Kontrolleure oder Sicherheitspersonal nicht immer leicht Smartwatches zu erkennen.



Straßenverkehr: Verbot von Smartwatches?

Im öffentlichen Straßenverkehr regelt die Straßenverkehrsordnung (StVO) das Miteinander. Für Smartphones und Handys gilt bereits ein klares Verbot. Allerdings sind Smartwatches hier ausgenommen bzw. finden keine Anwendung, da im § 23 StVO nur geregelt ist, dass die technischen mobieln Geräte aufgenommen oder gehalten werden:

Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss.

Allerdings empfehlen Juristen keine Smartwatch zu nutzen, da bisher im richterlichen Einzelfall meist zuungunsten des Trägers entschieden wurde.

Schule und Uni: Die Smartwatch revolutioniert das Spicken

In Bildungseinrichtungen sind Smartwatches auch häufig verboten. Durch diese modernen Geräte wird das Betrügen bei Prüfungen ungleich leichter gemacht. Es gibt kein explizites und allgemeines Verbot, aber viele Universitäten und Hochschulen verbieten im Einzelfall Smartwatches und ähnliche Geräte, da

Beginnend mit einfachen geschriebenen Spickern sind heute technische Geräte aller Art für potenzielle Betrüger an Unis ein wichtiger Faktor. Mit solchen Geräten haben schon viele Menschen versucht, ihre Chancen in den Semesterprüfungen zu verbessern. Smartwatches während Prüfungen sind an den großen Universitäten wie der Uni Münster bereits verboten. Doch auch in kleineren Bildungseinrichtungen ist das ein großes Problem für den Lehrkörper, schließlich ist die Aussicht auf gute Prüfungsergebnisse mit wenig Anstrengung für die Schüler oder Studenten verlockend.

Doch egal ob nun konkret erlaubt oder verboten: Wird ein Student oder Schüler mit einer Smartwatch erwischt, gilt das unerlaubter Betrugsversuch oder als Besitz von unerlaubten Hilfsmitteln und somit als Täuschungsversuch. Das führt zum sofortigen Ausschluss und Nichtbestehen der Prüfung.

Kurios: Casinos verbieten Smartwatches

Die technische Entwicklung in den vergangenen Jahren ist auch an den Betreibern von Casinos und Spielbanken aufgefallen. Selbst Privatleute können sich deshalb heute eine technische Ausstattung leisten, die vor wenigen Jahren noch den absoluten Profis vorbehalten war.
In Las Vegas müssen die Dealer – also die Kartenverteiler der Casinos – heute zum Beispiel schon auf Smartwatches achten, mit denen Spieler an den Tischen möglicherweise schummeln könnten. Die kleinen Uhren sind in den Casinos auf dem Strip nicht erlaubt, wenn sie eine Kamera haben. Aus der Sicht der Dealer ist das jedoch ein gewisses Problem, schließlich sind Smartwatches mittlerweile zwar weit verbreitet, längst nicht jede Uhr verfügt jedoch über eine Kamera. Zugleich will man aus der Sicht der Betreiber eines Casinos auf jeden Fall vermeiden, mögliche Kunden zu verprellen.

Doch die immer restriktiveren Vorgaben echter Casinos führt auch zu einem Abwandern von Spielern zur Onlinevariante. Trotz sehr gespannter Gesetzeslage der deutschen Bundesländer zum Thema Onlineglücksspiel finden sich in deutschsprachigen Listen wie Casinoverzeichnis24 bereits Dutzende Angebote von Online-Spielbanken. Hier müsste man die Technik schon auf andere Weise umgehen, allerdings sorgen die Hersteller mit diversen Vorsichtsmaßnahmen dafür, dass das für die Spieler in einem Casino nicht möglich ist. Das gilt sowohl in klassischen Spielbanken als auch in Casinos im Internet, in denen Spiele von Playtech, Microgaming oder anderen Herstellern zu finden sind, die sich nur auf diesen Bereich konzentrieren. Mehr über die Vorsichtsmaßnahmen dieser Unternehmen kann man in der Regel auf der jeweiligen Website erfahren.

Fazit: Smartwatches als Ende der Privatsphäre und Sicherheit?

Smartwatches darf man nun nicht verteufeln. Sie stellen definitiv ein Sicherheitsrisiko dar, aber ein moderates. Gefährlich wird aber vor allem:

  1. Missbrauch der Technologie in einer Smartwatch zur Spionage
  2. Missbrauch einer Smartwatch als Spicker oder unerlaubtes Hilfsmittel zum Betrug

Es kommt durchaus darauf an, wie die Ausstattung einer Smartwatch ist. Viele Modelle haben inzwischen eigene Kameras und sogar Mikrofone eingebaut, die das Abfilmen oder Abhören erleichtern. Neben Smartwatches sind natürlich auch andere Geräte für Betrüger interessant, deshalb sind etwa Google-Brillen oder Snapchat-Spectacles in verschiedenen Einrichtungen ebenfalls nicht erlaubt. Doch hier können die Gesetzgeber kaum mit der technischen Entwicklung Schritt halten und daher obliegt es schlussendlich dem Einzelnutzer wie er oder sie die Geräte verwendet.

Derlei Fragen wird man sich künftig zwangsweise stellen müssen, denn obwohl Smartwatches bislang keinen großen Marktanteil aufweisen, dürften sie in den nächsten Jahren sicherlich langsam zunehmen.

Autor: Christian Allner

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs aus Mitteldeutschland. Er arbeitet, studiert und lehrt zu Social Media, Online-Marketing und Unternehmenskommunikation. Sein Fokus liegt auf Blogs, Plattformen wie Facebook, Tumblr und Pinterest, soziale Netzwerke und andere Trends. Parallel organisiert er Seminare und Workshops. Ein begeisterter Hobbykoch – kaufmännisch ausgebildet und multimedial studiert. Kreativer Texter, Dozent und Übersetzer.

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.